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Christoph Rehage – The Longest Way

The Longest Way 1.0 – walk through China and grow a beard! – TIMELAPSE from Christoph Rehage on Vimeo.

Das Video habe ich unzählige Male gesehen, immer mit Gänsehaut. Welch Intensität. Der Hauptdarsteller muss wahrlich reich, ob seiner ganzen Erfahrungen sein. Es haftet eine Aura an dieser Person, die ich nicht beschreiben kann. Sein Lächeln wirkt wahr, die Augen blicken weise in die Kamera. Als ich im Outdoor-Magazin erfahren habe (Buchtipp), dass es nun ein 446 seitiges Buch zum Kurzfilm gibt, war ich sofort Feuer und Flamme und im Buchladen. Gerade gekauft, war es dann auch in 3 Tagen gelesen.

Christoph Rehage studierte an der Filmhochschule Beijing und beschreibt, wie er am Tag seines 26. Geburtstages die Haustür hinter sich schließt, um zu Fuß in seine alemannische Heimatstadt zu wandern. So weit. So gut.

Die Seiten grob zusammen gefasst: Er beschreibt die Wege, Ortschaften, Tempel, Menschen, Landschaften, Tiere, Natur, Strapazen, Liebe, Hotels, Essen, Straßen, Smog und Empfindungen, die diese Reise mit sich bringen. Im Überschwang und in der Kritik. Es klingt ehrlich. Die Geschichten über die getroffenen Menschen und seinen längeren Begleitern haben mir am besten Gefallen. Hätte das Buch 2.000 Seiten gehabt, ich hätte sie weiterhin mit Begeisterung verschlungen. Die Liebesgeschichte, die sich durch das Buch zieht, hat mich ebenfalls bewegt.

Wie bereits erwähnt, gibt der Protagonist seine Verhaltensweisen ehrlich wieder. Beim Aufbruch der Reise ist er leicht erregbar, geradezu jähzornig und unfair. Seine eigene Gefühlswelt überwiegt stets der gebotenen Höflichkeit und der erstrebenswerten Tugenden, z.B. Demut, Geduld und Mäßigung. Zorn gehört nicht dazu.

Am Ende angekommen, in Ürümqi, stellt sich mir die Frage; „Wie kann jemand, dem der Schall des Waldes erklingt, nicht aber dessen Ruf, zu solch einer Reise fähig sein?“ Dessen Charackter noch immer von Boshaftigkeit und Eigensinn geprägt, während sein Antlitz gewandelt ist. Auch die Motivation von Beijing nach Bad Nenndorf zu wandern, fehlt hier. Danach sehnte ich mich in dem Buch. Es muss doch einen Sinn geben, hinter all dem. Mit der letzten umgeblätterten Seite des Buches, blätterte die Aura dieser Person. Wenn er auch die Motivation für sich behalten wollte, als Alcatraz seiner Gefühle, als letzte Trutzburg der Gedanken des Autors, so passt dies nicht in die gesamte Präsentation. Er schreibt einen Blog über seinen Fortschritt, fertigt ein Kurzvideo seiner Reise, indem er JEDEN! Tag, ein Foto von sich nimmt, schreibt letztendlich ein Buch, in dem ebenfalls seine Familie Platz findet und nach all dem, fehlt jegliche Inspiration. Warum bist du losgelaufen, verdammt! War es Mittel zum Zweck? Das ist das, was mir haften bleibt.

Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen, denn es war sehr kurzweilig. Die im letzten Absatz dargelegte Kritik weilt. Am Ende des Videos, als ein Bild zum Beginn seiner Reise eingeblendet wird, stellt er sich die Frage: „Who was this person? Was it really me?“

Hoffentlich weiß er selbst eine Antwort darauf.

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August 8, 2013 · 8:11 pm