DiVa-Walk Etappe 1 – Vom Mühlenort zur Varusschlacht, 16km

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„Am Mühlenort kreuzen sich mit dem Hünenweg, dem Pickerweg und dem Wittekindsweg, auch drei Fernwanderwege mit dem DiVA Walk.“ So beginnt die erste Etappe des DiVa Walk, beschrieben in der Wanderkarte vom Osnabrücker Land. Mit derselbigen in der Hand geht es bei herrlichem Sonnenschein freitags nach der Arbeit und Regio-Bus Anreise auf Tour. Erstes Ziel ist der Campingplatz Waldwinkel. Sollte nicht länger als 75min dauern, was in Anbetracht des späten Aufbruchs auch in Ordnung ist. Ich habe ja noch den ganzen Samstag vor mir. Auch habe ich bereits vorab das anliegende böhmische Lokal im INet gecheckt. Man, was freu ich mich auf eine Gulaschsuppe und gutes, tschechisches Bier!

Also ging ich schnelleren Schrittes dem halbwegs gut ausgeschilderten Weg entlang. Man folgt teilweise Wald- bzw. Forstwegen, aber auch dünn befahrenen Straßen. Nur das Kartenlesen will nicht so recht klappen, finde ich doch eher durch die Beschilderung meine Pfade. Nach Überquerung einer Bundesstraße führt es mich zum ersten Ortseingangschild. „Rulle“ ist darauf zu lesen. Mein anfangs skeptischer Blick weicht von Sekunde zu Sekunde der ernüchternen, ja geradezu  ironischen Erkenntnis, das ich bis hierhin, ca. 1 1/2 Stunden, dem Weg in die falsche Richtung gefolgt bin und schließlich dort ankam, wo mich der Bus zur Anreise bereits hinführte. ICH IDIOT BIN IN DIE FALSCHE RICHTUNG GELATSCHT! NOCH MEHR AUSRUFEZEI!!!EN. Wie dämlich kann man sein. Direkt hinter dem Ortseingang befindet sich eine Übersichtskarte zum DiVa Walk und mir wurde das Ausmaß meiner Dummheit bildlich vor Augen geführt. Merke: Ich brauche selbst 5 Meter vor der Haustür einen Kompass.

Und was nun? Es war mittlerweile schon nach Sieben. Zurück nach Hause mit der ganzen Enttäuschung und dann Wunden leckend auf der Couch sitzen, wo ich mich doch auf meine erste Zeltwanderung so gefreut habe? Und auf die Gulaschsuppe. Auf Enttäuschung und Ernüchterung folgte Wut. „Nix da“, sagte ich mir im Trotz, jetzt erst recht! Also ab zur nächsten Bushalte und nach einer halben Stunde, die ich mit Lesen verbrachte, stieg ich wieder in die gleich Linie, in dieselbe Richtung und stand alsbald wieder an der anfangs beschriebenen Weggabelung.

Nicht nur, dass an dem Punkt 3 Fernwanderwege aufeinander treffen, nein, dort scheidet sich auch der DiVa Walk in sowohl südliche, als auch nördliche Richtung. Und ich Kaspar hab vor gut 2 Stunden auch noch ein Bild von dem Richtungsweiser geknipst. Mich selber mental ohrfeigend beschritt ich den Weg nunmehr in die richtige Richtung und siehe da: das Kartenlesen klappt jetzt auch viel besser. Erstaunlich wie gut man sich orientieren kann, wenn man auf dem richtigen Weg ist. Die Beine waren mittlerweile schon etwas schwerer, der Rucksack zieht unaufhörlich zu Boden, doch zum Glück war mir die Sonne hold und ich konnte bei Kaiserwetter weiterwandern. Es geht mitten durch den Wald, meine Laune wurde schlagartig besser. Die Gulaschsuppe wartet.
Auf halber Strecke, inmitten des glückseligen Gehens, wusste ich nicht mehr weiter. Der Karte nach zu urteilen, befand ich mich auf dem richtigen Weg. Nur leider fehlten lange Zeit die entsprechenden Markierungen. Die hat wahrscheinlich ein verbitterter Anwohner, ob der „zahlreichen“ Wanderer, abgerissen. Also folgte ich meiner Intuition, welche mich prompt fernab jedweder Markierungen und Zivilation führte. Ich wusste absolut nicht mehr wo ich bin. Das Rauschen einer Straße war zu hören, also ab Richtung Gehör. Vielleicht findet man ja dann wenigstens ein Straßenschild, das einem verrät, wo man sich gerade befindet. Als ich langsam anfing zu verzweifeln und verrückt genug war, um mit Pflanzen und Tieren zu sprechen, fand ich die kleine Straße an welcher sich ein Schild mit der Aufschrift „Campingplatz Zum Dreschhaus“ befand. Yippie!!! Ich war wieder auf Kurs. Hah, wer braucht schon eine Karte, dachte ich mir im Überschwang. Ich folgte der endlosen, geteerten Straße ohne jemandem zu begegnen. Man, tun mir die Füße und Knie weh. Doch als ich schon wieder resignieren wollte, überholten mich peu a peu mehrere Wohnmobile. So wusste ich zumindest, dass meine auserkorene Route nicht ganz falsch sein kann. Und schließlich lag der Zeltplatz, nachdem die Straße eine Anhöhe erklomm, zu meinen Füßen. Was war ich glücklich.

Endlich habe ich mein Ziel, das eigentlich so nah lag, erreicht. Doch was ist das? Vom Zeltplatz dröhnt mir Techno-Mucke entgegen und Volksfeststimmung. Egal, erstmal hin, Zelt aufbauen und runterkommen. Die letzten Meter ging es vorbei an gepimpten Autos und verwahrlosten Besitzern. Beim Campingbesitzer nachgehakt, wurde mir eröffnet, dass an diesem Wochenende Ford-Treffen war. Na geil, da habe ich mir ja die passende Zeit für meinen Naturtrip ausgesucht. Es dröhnt aus den Kofferraumen, während die Autos in allen erdenklichen Neonfarben vor sich hin glühen. Nur Spacken hier, tättowierte Hinterwälder, deren einzige Befriedigung ihres traurigen Maurer-Daseins ein Auto ist. Was war ich wütend. Im Nachhinein tun sie mir Leid.
Glücklicherweise konnte ich auf dem Campingplatz abseits der wilden Meute zum ersten Mal mein Zelt aufschlagen. Das Ford-Treffen sollte sich aber noch zu meinem Vorteil erweisen, denn ausgelaugt und ausgehungert, steuerte ich die extra aufgebaute Imbissbude an, an der der Vater vom Campingplatzbesitzer ausschank und bekam eine Grillwurst und 3 Bier für nen 5er. Das böhmische Lokal war natürlich schon zu. Den Platz bekam ich auch für nen 5er. Ich sah wahrscheinlich so mitleidig aus. Egal, für nen 10er wurde ich satt und sitt und konnte nächtigen. Geschafft und vorerst fertig mit der Welt sank ich in meinen, ebenfalls erstmals erprobten Schlafsack und schlief ein. So die Wunschvorstellung. Leider hämmerte der Techno bis morgens um 4 in meinen Schlaf. Die Nacht verbrachte ich somit mehr schlecht als recht und um halb sieben war ich wach, wusch mich und brach auf zu Teil 2 meiner Odyssee 🙂

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