2013 – Juli – Dalsland, Südschweden – 4. Tag

Dieser Tag sollte mir alles abverlangen. Gestartet wurde morgens wieder bei Sonnenschein. Als wir aus unserer Bucht heraustraten, frischte der Wind auf und die seichten Wellen wichen einem Wellengang. Stromaufwärts ist dies schon anstrengender, aber noch ist alles im Lot. Nach 1-2 Pausen in windgeschützten Buchten entschieden wir mit unserem Guide, dass es so langsam Zeit wäre, die Kanus auszugleichen. Wir wechselten also die Boote und  nahmen jeweils ein Mädel auf, um die Stärkeverhältnisse anzupassen. So ging es hinauf von Bucht zu Bucht, von Pause zu Pause. Und ich merkte, dass es schon anstrengender wurde, ohne meinem Paps hinter mir. Der Wellengang wurde mittlerweile heftiger, stetig schwappte Wasser in das Kanu, während man sich gefühlt auf der Stelle bewegte. In Sichtweite wurde ein windgeschützter Strand anvisiert, den wir mit einem Kraftakt erreichten. Ich muss sagen, dass hat Spaß gemacht. Es wurde entschieden, hier zunächst zu verweilen, bis der Wind abgeklungen ist. Tarps wurden wieder gespannt, es wollte anfangen zu regnen.

Wir blieben eine gefühlte Ewigkeit auf diesem Fleck. Verließ man den baumumsäumten Winkel, blies einem der kühle Nordwind entgegen, der den See schäumte und eine Weiterfahrt verhinderte. Mein Pa legte sich unbeeindruckt auf seine Isomatte und träumte am Strand windumfangen vor sich hin. Und tatsächlich, der Wind verlor an Penetranz und nach langem Hin und Her entschlossen wir uns weiter zu paddeln. Auch ich wollte wieder aufs Wasser und trekken. Kaum waren wir aus der Bucht hinausgetreten, wollte es die Natur nochmal wissen und es blies uns wie bei unserer Ankunft entgegen. Ohne Selbsthudelei paddelte ich auf dem Rücksitz im Akkord für 2 und schließlich erreichten wir, nach 2 weiteren Pausen und einer weiten Überquerung offener Fläche, den windgeschützten Bereich einer Insel und wähnten uns am Ziel. Die See lag plötzlich ruhig da und wir paddelten in Entenkolonnen hintereinander her.

Es knarzt, ein Ruck und nichts geht mehr! Bevor meine Begleiterin und ich überhaupt bemerkten was los ist, standen wir mitten auf dem See in unserem Kanu. Es geht nicht vor und nicht zurück. Wir sind doch tatsächlich aufgelaufen, irgend so ein scheiß Stein mitten im See trennte uns von unserer Weiterfahrt. Es war letztendlich tierisch komisch. Als uns 4 Leute aus unserer liebgewonnenen Truppe hinaus hieften, konnten wir uns vor Lachen kaum halten und auch danach war für Gesprächsstoff gesorgt. unser Ziel, die Bäreninsel, lag vor unseren Augen und das würden wir auch noch schaffen. Denkste! Sobald die Insel sich dem See wieder öffnete, blies uns wieder der Wind ins Gesicht, stärker als zuvor. Eine weitere Insel rechts unserer Route wirkte wie ein Trichter, eine Stromschnelle, und so paddelten wir um unser Leben und kamen doch nicht voran. Unsere Begleiter sahen da besser aus und entfernten sich langsam von uns. Als ich die Spitze des Kanus nicht korrekt in den frontalen Wind gelegt hatte, drückte es uns unaufhörlich zur Seite. Ich feuerte aus allen Rohren und paddelte was das Zeug hielt, aber wir kamen einfach nicht rum. Als wir fast im 90° Winkel zum Wind standen, legte ich kurz entschlossen eine 360° Drehung auf dem Wasser hin und malträtierte in die andere Richtung. Wieder gen Wind ausgerichtet, drückten wir das Paddel ins Wasser, als wenn Lucifer hinter uns her wäre und wir schafften es schließlich in die nächste Bucht und ließen uns ans Ufer treiben. Ich war an dem Punkt fertig mit der Welt. Noch eine Minute zuvor dachte ich, wir packen es nicht. Aber es war geschafft! Und ich auch.

Die Insel war mit 2 Zeltplätzen natürlich schon belegt. Es gab jedoch noch eine Feuerstelle ohne Schutzhütte auf der Insel, die wir dann auch in Anspruch nahmen. Der Platz war nicht gerade berauschend, aber hauptsache an Land. Nach dem Tag ist mir alles recht und so verging dieser, ohne große Gedanken. Der masochistische Einschlag der heutigen Tour war Anlass genug und so spendierte unser Guide eine Flasche Rum, welcher im Krümeltee aufgelöst wurde. So endete der Abend würdevoll und wir blickten von einer hohen Felswand in die schummrige Nacht, die die nunmehr abgeklungenen Wellen belegte.

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Filed under 2013/07 – 9 Tage Schweden

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