Gedicht – Der Ahorn

Der Ahorn

Ich bin der Ahorn, der immer grünt,
kein Sturm trennt mir die Äste.
Such, in meinem Blätterkleid,
findest du aufgegebene Schätze.

Ich las von dir aus alten Büchern,
immer grün war dein Gewand.
Jauchzt das Kind und wurde alt
bis es den Baum nicht mehr gekannt.

Ich bin der Ahorn, der immer grünt,
kein Sturm trennt mir die Äste.
Horch, in meinem Blätterkleid,
klingen von Neuem die Feste.

Nie sah ich dich rot und gelb,
nie kahl, doch ständig bieder.
Du bist so leblos, wie dein grün,
wie deine immer gleichen Lieder.

Ich bin der Ahorn, der immer grünt,
kein Sturm trennt mir die Äste.
Schau, in meinem Blätterkleid,
sitzen stets die gleichen Gäste.

Die Feste trag ich im Gesicht,
im Herzen klingen Lieder,
die ganzen Schätze lass ich hier
ich kehre nimmer wieder.

Ich bin der Ahorn, immer müd,
kein Sturm trennt mir die Äste.
Vergib dem Narr, denn in das Nichts,
versprachen sie Paläste.

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Oktober 7, 2015 · 8:23 pm

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