Juli 2014 – Berliner Höhenweg

Wo: Zillertal – Berliner Höhenweg

Wann: Juli 2014 – 7 Tage

Web: http://www.naturpark-zillertal.at/naturpark-erleben/trekking-berliner-hoehenweg.html

Zu zweit ging es auf den Berliner Höhenweg. Wir haben vorab die Trekkingpauschale (siehe Link oben) in Anspruch genommen und würden das auch wieder tun. Vorteil: Einfache Buchung der kompletten Route, Nachteil: weniger Flexibilität. Angaben von Gehzeiten und Höhenmeter sind der Broschüre vom DAV entnommen (Link).

1. Etappe: Finkenberg (910m) -> Gamshütte (1921m)
↑ ca. 1.000Hm Δ ↓ 0 Hm Δ Gehzeit: 3 Std.

Einfache, kurze Etappe, die stetig bergauf führt. Nach Ende der Baumgrenze erreicht man die Gamshütte. Da es den ganzen Tag geregnet hat, waren wir auch froh im Trocknen zu sitzen. Auf der Hütte gibt es statt Duschen einen Waschraum. Der Hüttenwirt gibt gerne und reichlich vom selbstgebrannten Obstler.

2. Etappe: Gamshütte (1921m) -> Friesenberghaus (2498m)
↑ ca. 1400 Hm Δ ↓ 850 Hm Δ Gehzeit: 8 Std.

Längste und anspruchsvollste Etappe. Bei schlechtem Wetter auch nicht ganz ungefährlich, so dass man auch einen Abstieg und Weiterreise mit dem Bus ins Auge fassen sollte. Wir entschieden uns trotz schlechter Prognosen für die Tour. Es ging zunächst an steilen Grasflanken hinauf, während es anfing trübe und regnerisch zu werden. Die Etappe erfordert unbedingte Trittfestigkeit und Schwindelfreiheit. Manche Passagen sind sehr exponiert. Die mit Flechten überzogenen Gesteinsbrocken sind sehr rutschig. Die Kamera blieb während der ganzen Route im Rucksack. Am Ende war ich auch ziemlich kraftlos und froh, das Friesenberghaus erreicht zu haben.

3. Etappe: Friesenberghaus (2498m) -> Olpererhütte (2389m)
↑ ca. 150 Hm Δ ↓ 250 Hm Δ Gehzeit: 2 Std.

Wohlfühletappe, die direkt zum Furtschaglhaus verlängert werden kann. Nach dem gestrigen „Ritt, war mir das aber ganz recht. Zunächst wurde ein kurzer Abstecher aufs Petersköpfel (2677m, ca. 1/2 Stunde Aufstieg) gemacht. Die vielen Steinmännchen erzeugen eine mystische Stimmung.

Die Olpererhütte wurde 2008 neu eröffnet und ist auch die Modernste, mit einem tollen Blick von der Terasse auf den Schlegeisspeicher und die sich dahinter aufbauenden Zillertaler Alpen, u.a. mit dem Hochfeiler (3509m), Hochfernerspitze (3470m) und dem großen Möseler (3480m).

4. Etappe: Olpererhütte (2389m) -> Furtschaglhaus (2295m)
↑ ca. 500 Hm Δ ↓ 600 Hm Δ Gehzeit: 4 Std.

Erneut wieder eine leichte Etappe, bei der man sich genug Zeit lassen kann. Von der Olpererhütte folgt der Abstieg zum Schlegeisspeicher. Hier kann man sich direkt am Anfang an einem kleinen Imbiss stärken. Nun geht es Knie schonend plan am Ufer entlang. Am Ende wird der Körper wieder angeheizt, denn nun erfolgt der Aufstieg zum Furtschaglhaus, welches auch bald erreicht ist. Wie bereits erwähnt, kann man die  vom Friesenberghaus direkt ansteuern.

5. Etappe: Furtschaglhaus (2295m) -> Berliner Hütte (2044m)
↑ ca. 900 Hm Δ ↓ 1060 Hm Δ Gehzeit: 6 Std

Viel begangene und wunderschöne Route über das Schönbichler Horn (3134m) und über den Nordostgrat zur bekannten Berliner Hütte. Wir hatten bestes Wetter, so dass die Strapazen des Auf- und Abstieges nicht so spürbar waren. Der Blick vom Gipfel ist atemberaubend schön und entschädigt sowieso alles. Die Berliner Hütte hat echt Flair, dass muss man ihr ob der Größe lassen.

6. Etappe: Berliner Hütte (2044m) -> Greizer Hütte (2227m)
↑ ca. 1200 Hm Δ ↓ 1100 Hm Δ Gehzeit: 7 St

Ähnlicher Routenverlauf wie vortags, nur geht es diesmal nicht über einen Gipfel, sondern durch die Mörchenscharte, von der man sich abseilen kann. In der Ferne kann man bereits die Greizer Hütte sehen, aber der Weg zieht sich doch recht lang. Egal, ein kühles Hefeweizen bei grandiosem Ausblick ist immer Belohnung genug.

7. Etappe: Greizer Hütte (2227m) -> Kasseler Hütte (2178)
↑ ca. 650 Hm Δ ↓ 700 Hm Δ Gehzeit: 5 St

Mäßig anspruchsvolle Etappe mit vielen Schneefeldern. Da der Regen unser ständiger Begleiter war, war ich doch froh, als die Hütte plötzlich zum Vorschein kam. Bilder habe ich nun leider nicht mehr, die Kamera blieb bei der Nässe unter Verschluss. Da das Wetter auch für den morgigen Tag keine Besserung verheißen sollte, entschieden wir uns für den Abstieg und Beendigung der Tour. Den Berliner Höhenweg hatten wir ja bezwungen, von nun an geht es auf dem Aschaffenburger Höhenweg weiter zur Karl-von-Edel-Hütte.

Es war eine tolle Tour, die ich jedoch insgesamt sehr anspruchsvoll und teilweise anstrengend fand. Dies sollte man bedenken, entscheidet man sich dafür. Belohnt wird man mit herrlichen Bergpanoramen und in meinem Fall mit einem guten Gefühl der Bewältigung des Weges.

Wir gönnten uns noch einen Aufenthalt in Innsbruck. Dort ließen wir den Abend nach Sightseeing und Magenpflege im Saunabereich ausklingen. Dort sinnte ich im Bademantel liegend und bewaffnet mit Bier und Zigaretten auf der Dachterasse über den Urlaub nach, während über den Bergen sichtbar ein Gewitter tobte. Herrlicher Abschluss.

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2014 – Juni – Sörmlandsleden

Wo: Sörmlandsleden – Südliche Schleife

Wann: Juni 2014 – 7 Tage

Web: http://www.sormlandsleden.se/fly-walk-d/suedliche-schleife.aspx

Hej! Für einen kurzen Trip nach Schweden hatte ich mir die südliche Schleife des Sörmlandsleden ausgeguckt. Der große Vorteil ist die Nähe zum Flughafen Stockholm – Skavsta, welcher u.a. von Ryanair angeflogen wird. So kann man bei dieser Rundtour direkt vom Flieger in die Natur starten. Dieses vorweg; ich bin kläglich bei meiner Rundreise gescheitert, aber lest selbst.

Mit vollem Rucksack ging es bei trübem Wetter mit Bus, Bahn und S-Bahn zum Bremer Flughafen. Über die Busfahrt weiß mein Tagebuch zu berichten:

Timberlake besucht Klagemauer…

… berichtet die Nachrichtenanzeige im Bus. Ich fühle mich gerade unfassbar informiert. Wo erfährt man das sonst, wenn nicht im Bus der Linie 32. Und ich trete quasi meine eigene Pilgerreise nach Schweden an. Warum weiß ich gar nicht mehr. Vielleicht fällt es mir ja wieder ein. Eine Nachricht zuvor übrigens wurde von 21 Toten nach einem Brand in einem südkoreanischen Krankenhaus berichtet.

In Nyköping bei bestem Wetter am Flughafen angekommen, beginnt der sehr gut ausgeschilderte Weg direkt am Connect Hotel. Da ich aber noch eine Gaskartusche benötigte, bin ich mit dem Bus in die Stadt gefahren. Dort befindet sich in der Haupteinkaufsstraße ein Intersport. Was ich jedoch nicht bedacht habe ist, dass Christi Himmelfahrt in Schweden ebenso ein Feiertag ist, somit hatten alle Geschäfte zu und ich musste ohne Kartusche losziehen. Wer mit Spiritusbrenner bewaffnet ist, könnte noch welchen im COOP bekommen, der dennoch geöffnet war. Egal, nun geht es los auf der Etappe 44.

Es geht über Forstwege und einem kleinen Stück entlang einer Bundesstraße in den Wald hinein. Es dauert eine Weile, bis man keine Jogger mehr antrifft. Das Rauschen der nahen Autobahn dagegen begleitet mich den ganzen Tag. Der Weg ist ziemlich unspektakulär, von Wildnis Feeling ganz zu schweigen. Kurz nach der Abzweigung zur Etappe 36:3 schlug ich abseits vom Pfad mein Zelt auf und fing an zu köcheln. Dazu wurden Steine zusammengeklaubt, vom Moos befreit und Hex Hex – es ward Feuer.

Für meine erste Nacht im Zelt im Wald habe ich sehr gut geschlafen. Ich lasse ab nun wieder mein Tagebuch sprechen, der Ausdruck ist ausdrücklich der Situation geschuldet 😉

Wie weit ist vorbei?

Es regnet und ich bleibe lange liegen. Erst gegen 10 oder 11 packe ich das Zelt nass zusammen und gehe los. Ich mache kaum Fotos, sondern sehe nur zu, dass ich mein Ziel, die Schutzhütte Överdammen am Gälkhyttansee erreiche. Hose, Schuhe und Socken sind durch, es schmatzt mit jedem Schritt. Halb 3 habe ich die schöne Hütte erreicht und war erleichtert. Nachdem das Lager aufgeschlagen wurde, war mir langweilig und ich fühlte mich einsam. Den ganzen heutigen Tag über habe ich mich gefragt, warum ich nicht zuhause auf der Couch sitze und TV glotze. Das ist zugleich die Antwort. Ich wollte raus und einen klaren Kopf kriegen und der kommt nun. Ich habe das Gefühl, dass je weiter ich mich von etwas weg bewege, es umso präsenter wird. Ist das zugleich die Antwort? „Sag wie weit muss ich gehen, um es nicht mehr zu sehen?“

Die restlichen Zeilen werden unter privatem Verschluss gehalten 😉

Kurz zur Hütte: Sehr schön am Gälkhyttansee gelegen, gepflegt, ausgestattet mit allerlei Holzschlag- und Feuermachutensilien und einem Plumpsklo. Die nahe Zivilisation ist leider doch recht hörbar.

Am dritten Tag frohlockt das Tagebuch:

Ich will brennen…

… werden meine Füße am Ende des Tages sagen. Aber von Anfang. Gute Nacht gehabt, zum ersten mal in einer Schutzhütte. Ich döse noch vor mich hin und beginne wieder halb 11 meine Tour nach Nävekvarn. Das Wandern fällt leicht auf hügeligem Weg am See vorbei. Danach ging es auf Stegen durch´s Moor (St. Bötet). Das war klasse, Fischreiher inklusive. Allmählich merke ich das Gewicht und der Weg zieht sich, 20km. Nach einer gefühlten Ewigkeit mit wenig Pausen bin ich am Nävsjön angekommen, inmitten von angelnden Familien. Das war aber erst die Hälfte und mir gingen schon langsam die Kräfte aus. Viel essen kann ich während der Tour nicht. Aber hilft alles nix, spätestens 17 Uhr will ich angekommen sein, um meinen Nikotin- und Hopfenhaushalt im Supermarkt aufzufrischen. Mit dem Rucksack ging es also über Stock und Stein Richtung Küste. Die Knie halten, aber meine Füße machen sich so langsam bemerkbar. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich endlich zum Rundweg nach Nävekvarn und ich wählte den an der Küste entlang. Das hätte ich lieber sein lassen, denn so schön die Aussicht auch ist, so anstrengend ist es auch. Stetig hoch und runter über bewaldete Felsplateaus. Der Rucksack zieht unaufhörlich nach untern. Mit letzter Kraft (sehr pathetisch) erreiche ich Nävekvarn und zu meinen Glück hat der Supermarkt bis 18 Uhr geöffnet. Ich bin eine Viertelstunde vorher da! Zurück zum Campingplatz, Zelt aufgebaut, geduscht und Wäsche gewaschen und erstmal ordentlich gegessen. Danach Bier + Zigaretten und 1 Anruf. Das war es für heute. Mir tut alles weh, ich bin platt und glücklich.

Erkenntnis des Tages: „Alles wird gut“

PS: Ich will ein Schwedenhaus haben!

Gute Nacht gehabt. Mir tut jedoch alles weh, besonders die Füße brennen und werfen blasen (kein Wunder in nassen Schuhen), so dass ich heute einen Tag Pause einlege. Zeit zum Entspannen und Erkunden der Umgebung. Zudem habe ich eine Erkältung bekommen, also ist Erholung angesagt.

Gegen Abend bekam ich dann noch unverhofft Gesellschaft. Ein Belgier mit guten Deutschkenntnissen und ein Pärchen mittleren Alters aus Leipzig vergrößerten die Runde. Der Belgier wanderte ebenfalls mit Zelt den Sörmlandsleden. Die Leipziger machten nur kurz Rast auf ihrer Autotour zum Nordkap. Dem Motto: „Wein und Bier, das gönne dir“ folgend, kam ich nach guten Gesprächen auch gut in den Schlaf.

Tag 5:

Mir tut immer noch alles weh und die Erkältung hat sich nicht gebessert. Ich blieb daraufhin noch einen weiteren Tag auf dem Campingplatz. Der Versuch einer kurzen Wanderung wurde fix wegen Kraftlosigkeit wieder aufgegeben. Nun war klar, dass ich die Rundtour bis zum Flughafen so nicht mehr schaffen werde. Ich orderte daraufhin telefonisch ein Zimmer im Nyköping Vandrarhem.

Los geht es mit dem Bus nach Nyköping zum Vandrarhem. Zumindest dachte ich das, denn ich Idiot bin zum Railway Vandrarhem am Bahnhof gegangen, in der Annahme, es gäbe nur dieses in Nyköping. Nun mein Rat an euch: GEHT IN DAS RICHTIGE VANDRARHEM IN DER INNENSTADT! Das sieht echt nett aus auf den Fotos. Das Railway am Bahnhof ist dreckig, muffig, stickig und hat den Charme einer Bahnhofsmission.
Nach dem ersten Schock bin ich durch die Stadt gewandert und habe das Museum im Nyköpingshus besichtigt. Ironischerweise befindet sich mein vorab gebuchtes Vandrarhem direkt nebenan, ich muss wohl ein paar Mal dran vorbeigelaufen sein.

Ab nun könnte ich einen ganzen Roman für die kommende Nacht schreiben, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel: Ich prellte morgens die Zeche und stieg gegen 9 Uhr in den Zug nach Stockholm. Das gesparte Geld wurde in eine Übernachtung im Connect Hotel direkt am Flughafen Skavsta investiert.

Also 1 Tag Sightseeing in Stockholm, mit dem Bus ging es danach zum Hotel. Dort wurde sich erstmal ausgiebig der Hygiene gewidmet. Abends gab es dann Burger und (endlich) 5%-Bier.

Das war es. Leider weniger Trekking als gedacht, aber um einige Erfahrungen reicher.

 

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Das Glück ist ein Regenbogen

regenbogen

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Januar 5, 2015 · 6:44 pm