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2013 – Juli – Dalsland, Südschweden – Anreise und 1. Tag

Wir sind die Busreise für unsere „Morning Light Kanutour“ in Hannover angetreten. Mein mitbester Freund brachte uns zum Busbahnhof und beherbergte mein Auto während der 9-tägigen Fahrt. Die letzten Besorgungen (Hüte, Alk & Kippen) wurden im KiK, Aldi und Edeka erledigt. Der Bus kam, Voucher´s wechselten den Besitzer und wir saßen in einem zweckmäßigen Reisebus, dessen Endziel Lennartsfors in Südschweden war, an der Grenze zu Norwegen. Die 2 Fährfahrten von jeweils 50 und 25min von DE nach DK und DK nach SE brachten Abwechslung in die Kutscherei. Als der Morgen klarte, befanden wir uns bereits in Schweden und gegen 10 Uhr morgens war das im Sonnenschein liegende Ziel erreicht.  Kurz gestärkt mit Kaffee und Wiener im Brötchen, wurde uns unsere Gruppe zugewiesen. Sind ja alles junge Leute hier, mit einem femininen Überhang, stellte ich messerscharf fest. Mein Papa war mit 20 Jahren Abstand zum Zweitältesten der Silberrücken der Runde. Das kann ja was werden.

Kurz mit einigen bekannt gemacht, ging es ein paar Meter durch den Wald zum See zur Ausrüstungsübergabe. Der Inhalt unserer Reisetaschen, Schlafsäcke und Isomatten wanderte in den Packsack, daneben stapelten sich die blauen Verpflegungstonnen mit roten Kisten, die Tarps, Säge, Beil und ähnliches Gedöns beherbergten. Anschließend wurden die Kanus zu Wasser gelassen, unser ganzes Hab und Gut seefest darin verstaut und ehe man sich versah,  paddelten wir auch schon gemächlich los. Die Streckenfindung, also erstmal gerade aus, verlief über Umwege, musste man sich doch erstmal mit dem Lenkverhalten des Aluminiumboliden vertraut machen. Wir sahen aus, wie verlorene Entenküken ohne Mutter. Gut, dass ich, es waren 2-er Kanus, vorne saß und nur stumpf ins Wasser stochern musste, während mein Papa in meinem Rücken ziemlich fix „den Bogen“ raus hatte und wie Nemo navigierte.

Etwas entfernt vom Ufer, so als ob es gewollt war, schoben die Wolken die Sonne beiseite und es fing an richtig schön zu pladdern. Nach 1min war meine Hose und meine Softshelljacke pitschnass, nach weiteren 5min stand auch meine Unterbuchse unter Wasser. Normalerweise verlangsame ich bei Regen gerne meinen Gang, lass die Tropfen von meinem Kopf herunterrinnen und bilde mir ein, die Natur will mich abkühlen und von der Last wertloser Dinge, die oft viel zu viel Platz in unseren Gedanken einnehmen, befreien. In diesem Fall aber, zum ersten Mal in Schweden auf einem Kanu, mitten in der Pampa, am Tag der Anreise,  ohne auch nur den Hauch einer Vorstellung, wie die Woche verläuft, mein Papa im Schlepptau, behagte mir der Wolkenbruch wenig. Ebenfalls die  Erkenntnis, dass ich Leichtmatrose hier eine Woche ohne Regenjacke und Regenhose verbringe, falls die Wetterlage anhält. Als der erste Lagerplatz erreicht war, wurde direkt angelegt, die Ausrüstung an Land gezerrt und die Boote rücklings verstaut. Wir teilten uns die Insel mit einer Familie plus weiteren Guide und erfuhren so, dass es bereits seit 1 Woche unentwegt schifft. Na das kann ja heiter werden.

Die Stunden, bis wir abends unterkühlt im Schlafsack lagen, sind an mir vorbeigerast. Erst im Zelt wurde ich meiner wieder bewusst und resümmierte: Im strömenden Regen wurden sämtliche Tarps und Schnüre gespannt, nasses Holz gesägt und gebeilt, Zutaten geschnibbelt und Essen für 14 Leute gebraut, Zelte aufgebaut, Wäscheleine ausgefahren, gegessen und abgewaschen. Während der Regen den 3-Mann-Verschlag bespielt, liege ich klamm und trotz der schlaflosen Busfahrt und Anstrengung wach da und denke:“Na hoffentlich war das eine gute Idee“. Dann schlief ich ein.

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Filed under 2013/07 – 9 Tage Schweden