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2013 – Juli – Dalsland, Südschweden – 2. Tag

Aufgewacht und ausgeruht zog ich den Reißverschluss beiseite, lugte mit einem Auge nach draußen und fand mich an einem anderen Ort wieder. Verschlafen leuchteten mir die roten Zelte meiner Gruppe entgegen, Sonnenstrahlen fanden ihren Weg über den blauen Himmel durch Nadelbäume auf meine Haut und wärmten. Mein Gemüt konnte auftanken, ich roch feuchten Moosboden und nasse, lichtbefallene Kiefern, die kein Wind bewegte. Der Morgen, in seiner urtypischen Kraft, hatte mich völlig eingenommen und ich weilte im Moment, als gäbs kein Morgen mehr. Der letzte Tag fiel von mir ab, wie eine verblichene Erinnerung und ich wollte nur noch eines: Raus an das glattfelsige Ufer und mich für den beginnenden Tag reinwaschen. Das tat ich dann auch. Ich stand noch nie in kälterem Wasser und nichts konnte jetzt besser sein als das. Meine Gedanken waren so frei und leer, wie das Wasser klar war. Es war unbeschreiblich.

Zurück am Zelt hatte sich mein Papa auch schon aus seinen 2 Schlafsäcken gepellt, den Trangia-Kocher befeuert und den Bohnenkaffee türkisch aufgebrüht. Dieser Duft vereinigte sich mit den Gerüchen der Natur. Es wurde immer besser. Ich war zufrieden, zum ersten Mal nach langer Zeit.

Beschwingt wurde mit den Männern Holz gesägt und gespalten, während dessen die Mädels chauvinistisch Feuer und Frühstück zubereiteten. Zum ersten Mal konnte ich mir nüchtern ohne Verfang meine Outdoorer anschauen. Wir sind schon eine lustige Truppe. Man könnte meinen, wir wären auf Klassenfahrt und mein Papa der lockere Lehrer. Tatsächlich befanden sich ein paar Lehrer in der Gruppe, insgesamt war es eine mehr oder minder akademisierte Zusammenkunft im Norden. Unser Guide macht einen sympathischen, für seine erste geleitete Foxen-Tour, tiefenentspannten Eindruck.

Nach dem Frühstück, dass aus Müsli, Brot und viel Nutella bestand, wurden die Zelte und Tarps abgebaut, sämtliche Hilfsmittel wieder in den roten Kisten verstaut und die Leinen von den Booten gelassen. Es ging stromabwärts rechtsseitig den langen und schmalen Foxen entlang. Das Wetter war beständig und so konnte man sich mit dem Lenkverhalten vertraut machen. Die Wellen plätschern dröge vor sich hin, mein Paddel rührte monoton im See herum und  hinter mir geleitete mich Steuermann Sonnenbrille. Ab und an gibt es eine Verpflegungspause in Gestalt von Doppelkeksen. Die Wasservorräte werden direkt im See aufgefüllt. Nach dem gestrigen Tag ist endlich Urlaub.

Wir erreichten nach ca. 15 entspannten Kilometern am Nachmittag einen freien Rastplatz mit Schutzhütte und es begann von Neuem. Boote ausladen, Tarps spannen, Zelte aufbauen, Feuerholz hacken und Feuer machen und das Essen für alle zubereiten. Schon am 2. Tag werden die Abläufe Routine, so dass es dazu auch genug gewesen sein soll. Insgesamt wirkt die Gruppe immer kompakter und homogener. Keiner ist sich für nix zu schade und sämtliche  Aufgaben werden wie von Zauberhand bewältigt. Der Abend macht Spaß und nachdem wir satt vor dem Lagerfeuer klönen, hat man Zeit, sich in Gesprächen näher zu kommen. Wir beschliessen mit unserem Guide am Morgen des nächsten Tages nach Töcksfors zu paddeln und in der nahegelegenen Mall Vorräte (für mich Kippen & Alk) zu hamstern. Auch lassen wir das Lager aufgeschlagen und hoffen besuchsfrei den Platz noch einen weiteren Tag nutzen zu können. Die Nacht nahte, wenn es auch bis kurz vor Mitternacht hell ist und so verflüchtigte sich Einer nach dem Anderen.

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Filed under 2013/07 – 9 Tage Schweden